every city by the sea had fallen
in love with you–
i hear their church bells
from the beach.

und ich stehe am ufer, wind im haar, draußen die offene see, hinter mir die grabsteine, wie viele sind wohl da draußen geblieben, wie mag es ihnen gehen, sie haben ihre stadt auf den meeresgrund gebaut, unwissentlich, die große flut hatte die torflinse unterspült. ab und an, in manchen nächten, tauchen sie auf.

das ende ist der anfang, von der anderen seite. [jennifer düing]

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wo die flüsse singen
will ich meine zeit
mit dir verbringen

[kante]

und wir sitzen am fluß, wieder einmal, wie schon immer, es ist sommer, the sun always shines on tv, du hast die geringelten wollsocken an und ein lächeln auf den lippen, und erzählst von dir und ihm und anderen, wie du damals, und die zukunft, form, farbe, geschmack. und vor uns steht bier, wind weht durch die kastanienblätter, deine augen leuchten, alles nach drehbuch. cut. bald muss ich los.

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wo die schatten sich verjüngen
das grau
an blau verliert

und wir sitzen am fluß, also eigentlich sitze ich dort, du bist noch auf arbeit, und es wird länger gehen, du kommst heute nicht mehr, also sitze ich da und erzähle dir, vom blaugrün der tiefe, aalen im wasser, mittagsgespenstern im hohen schilf, und du hörst zu, aufmerksam – denn das bist du: aufmerksamkeit –, nur eben frau müller, jawohl, natürlich, sofort. cut. eine wolke schiebt sich vor die untergehende sonne, das muss man so schreiben, von wegen metapher und allem.

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hier, an den enden unserer körper
an den rändern
unserer haut

und alle flüsse führen, kapillarengleich, ans meer, alle wege leiten in dieselbe richtung, alle geschichten enden dort, so viele enden, wir werden ins meer stürzen, immer wieder, werden unter wasser atmen, eine stadt bauen, la cathédrale engloutie, ihr seht ihr spiegelbild in den mondnächten, cut, du schaust mich blicklos an, wir sitzen in deinem wohnzimmer, die beleuchtung schummrig, ob die bunte schürze wirklich ins bild passt, der regiestuhl brüllt anweisungen, du kochst spaghetti, und ich stelle mich an, mal wieder, die konversation driftet ab. wir verabschieden uns, cut, hausdächer stürzen übereinander, der geschmack der nacht, eine spur erde und umbra, metallisch und warm.

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wo die wellen den strand umspülen
wo wir den rand
der welt berühren

und wir sitzen am fluß, also eigentlich nicht, wer auch immer jetzt hier sitzt und die geschichte fortschreibt, du bist anderswo, im ungefähren, besser dort, vielleicht passt noch ein wenig leben dazwischen, cut. und wir alle lauschen dem gesang der undinen, lockend, unwiderstehlich, ein kurzes menschenleben nur, dann haben sie uns.

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da, wo es morgen wird
wo die
flüsse singen

und die sonne geht unter, wir sitzen am fluß, wieder mal, die warme abendluft weht durch dein haar, dein blick wie aber nein, cut, das ist zu kitschig, und die kameracrew mault, das drehbuch macht keinen sinn, der regisseur dreht sich eine kippe, alles nochmal, du schaust mich an, kußszene jetzt, cut, du packst meinen hals, ich spüre das blut kaum, verliere die balance, als ob es so etwas gäbe, wasser umfängt mich, die strömung malt blutrote skulpturen ins grün, und wie schön die schuppen der fische schimmern, hier unten im phosphorlicht. cut, gedanken wie flüssiger bernstein, der horizont kippt seitlich weg, und ich schwöre, ich habe eine nixe gesehen, und sie trug dein lächeln.

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in the keening cries of evening
unforgotten, underlined
we slipped into the water
out of focus, out of time

[david sylvian]

und du stehst am ufer, wind im haar, und hier fängt die geschichte an.

referenzen | 1, 2, 3. geschrieben für projekt *.txt

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