meine mama hat gesagt, ich darf heute wieder allein in den kindergarten. im kindergarten sind alle meine freunde. also, so sagt léa halt. léa ist meine lieblingserzieherin. sie ist total lustig, und ich kann den ball durch sie hindurchwerfen, wenn ich es richtig anstelle. dann flackert es ein bißchen, und sie lacht mit mir.

manchmal, wenn sie allein ist, sehe ich ihren sorgenvollen blick. ich glaube, daß sie bald ersetzt wird, wenn sie merken, daß sie schon am vormittag in die ladestation zurück muß.

nach dem kindergarten kommt mama. sie ist lieb und hübsch. alle kinder haben eine, und sie sieht immer gleich aus. sie ist ein hologramm, aber léa meint, das soll ich ihr nicht sagen. ich mag sie trotzdem. nachts schaut sie machmal in den sternenhimmel hinaus, als würde sie etwas vermissen. ich soll niemandem davon erzählen, flüstert léa.

heute war sie nicht im kindergarten.

wenn ich groß bin, werde ich auch erzieherin. mama meint, das geht nicht, dafür braucht es die teuren implantate, und wir haben kaum zu essen, seit papa weg ist, auf seiner raumstation. pah, mir egal. auf dem weg habe ich heute wieder dilithium gefunden, meine bettdecke als raumanzug, wenn ich genug habe, hau ich hier ab.

ich muß jetzt los, wir lesen u–

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in der graun stad gabs kein farbn.

du sitzt vornüberbeugt. die maur fühlt sich kalt an. untr der graun wolkndecke lebn die menschn hier seit immr.

dein vatr war fischr, hier am großn blau. die muttr, man weiß es nicht, du hast aufgebn zu fragn, sie werdns nie verratn, vielleicht wissns auch nicht. man munklt so dies und das, ausm see seis gewesn, sagn die einen, kann nicht sein, die andrn, hats schon seit der großn flut nimmr gebn, das. und du sitzt da, und schaust aufs wassr, und denkst so das, manchmal, oder jens, auch, in den vollmondnächtn.

schnell jetzt, mußt essn noch machn, der vatr wartet, der klein brudr auch, er soll nicht wiedr alls abkriegn, nicht heut, heut nicht, nur einmal nicht. an dem tag, als. da wo sie. sagns, man weiß nicht, niemand, außr dem vatr, abr s’hat ihms gehirn zrsetzt, übr die jahre, man weiß nicht, was er sich zsammnfantasiert, es is egal, auch. allein lebt ihr, seitdem, am blaun rund, und wie er dasitzt, schon wiedr, flaschn in dr hand, und aufn see blickt, trüb, unstet, und bald wird er drinliegn, abr das weiß er noch nicht, jetzt noch nicht, und du wirst die netze auswerfn, da draußen, und heiratn wirst niemandn, niemals, und was da draußn machst, mit wem redst, sie werdns nie wissen, niemals.

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der schreibtischstuhl wackelt ein wenig, ich werde ihn bald wieder nachziehen müssen. blick aus dem fenster, nebelschwaden, seevögel. anderes wasser, andere zeit. der nachklang der geschichten, meiner, deiner, und.

steuererklärung, lohnabrechnung, roman, klaviatur. der bildschirm reguliert den blaunanteil herunter. dämmerung draußen.

diese leisen momente, wenn die welt für einen augenblick anhält.

ab und an denke ich, es war einmal, und es wird einmal sein. traumbilder von wasserfrauen, raumstationen, müde scheuche ich die gedanke beiseite. bademantel, heißer tee. ich schaue hinaus, die wasservögel treiben ihr spiel, wellen branden leise.

es ist noch zeit, so viel zeit.

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referenzen 1, 2 | geschrieben für projekt *.txt

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