letzter traum

es zieht ein wenig, hier.

der sonnenwind streicht vorbei, und die vielen atome, aus denen das nichts nicht besteht, kitzeln an meiner nase. ich möchte mich kratzen, aber der helm ist im weg. visier hoch, augenblicklich entweicht eine wolke sauerstoffreiches gas, reines zellgift, toxischer fluff, aber ohne das zeug macht es dauerhaft auch keinen spass. in den letzten momenten geniesse ich die aussicht auf die pittoresk qualmende halbkugel, da, wo sich vorher noch ein planet namens erde befand.

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du stehst in der küche, und wir trinken kaffee, der abwasch kann warten. szenerie im tiefen nachmittagslicht, schräges leuchten auf deinem oversize-shirt. dein grüner blick, inselgedanken, meeresläuten. jemand zündet erste sterne an, wir verlieren uns im tiefen polychrom des abends. sommerherz, rotweinbalkon. kapillaren, flüsse, die nacht wartet. du schreibst geschichten mit tinte auf meine haut.

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die einladung kam auf büttenpapier. gäste in abendgarderobe, bitte setzen sie sich, erste reihe vor panoramafenstern, blick ins tiefschwarz. livrierte androiden, orangensaft oder champagner. raumschiffe ziehen vorbei, sie sind sehr groß, sehr langsam und sehr, sehr gelb. und sie haben baggerschaufeln.

präsident thiel betritt den raum, eine dünne blutspur hinter sich herziehend. enthusiastisch spricht er von neuen chancen, der besiedlung der exoplaneten. wie wir heimisch wurden, die lebensqualität [i.e. internetanbindung] der erde nicht mehr genügte, und man sich schliesslich entschlossen habe, aus wirtschaftlichen gründen. heute abend nun sei es soweit. dann drückt er den knopf.

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morgenlicht. deine notiz, das leere kissen. wir verheddern uns im narrativ, schreibst du,  und wo das alles noch hinläuft, unsere geschichten, ineinander, verwaschene tinte auf ausgerissenen buchseiten, anyway, du hast einen neuen job in der metaphernfabrik angenommen, in einer anderen stadt, und.

ich kippe den kalten kaffee über die kante am ende des weltalls.

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